Die zwei Ebenen eines Gesprächs

Es gibt zwei Ebenen die unsere Gespräche beeinflussen. Eine offene und eine versteckte Ebene. Wer beide beachtet wird mehr Erfolg in der Kommunikation haben.

Wir unterhalten uns jeden Tag mit anderen Menschen. Manchmal laufen diese Unterhaltungen gut, manchmal so mittelprächtig und gelegentlich gehen sie voll in die Hose so dass man sich hinterher fragt: „Was war das denn bitte???“

Aber woran liegt das? Dafür zuerst eine kleine Darstellung, wie normalerweise ein Gespräch abläuft:

A Sendet eine Nachricht an B „Bringst du mir ein Bier mit?“

B empfängt die Nachricht und muss sie verstehen. „Ah, er will ein Bier und ich soll es mitbringen.

B: Reagiert auf die Nachricht und schickt eine Nachricht zurück an A. „Ein kaltes aus dem Kühlschrank?“

A checkt, ob B alles richtig verstanden hat und sendet dann wiederum eine Nachricht zurück. Sie scheint alles verstanden zu haben und meint wohl ein kaltes Bier. „Ja, ein kaltes wäre super.

Und so geht das dann hin und her.

Gut, super. Haben wir verstanden. Fertig, nächste Lektion bitte!

Äh, sorry… das war jetzt leider noch nicht alles. Das was wir da hatten, war jetzt einfach nur das, was da an der Oberfläche läuft. Ein ganz simples Gespräch. Aber so läuft das leider nicht immer.

A: „Bringst du mir ein Bier mit?“ (Will einfach nur ein Bier)

B: Keine Antwort (Ist angepisst, weil er den Müll nicht rausgebracht hat)

A: (Diesmal lauter) „Kannst Du mir ein Bier mitbringen?“ (Rechnet schon damit, das da irgendwas nicht stimmt)

B: „Hol dir dein scheiß Bier selbst!“ (Mega giftig, weil der Sack es nicht von alleine blickt, warum sie sauer ist)

A: „Was stimmt denn mit dir nicht?“ (Ist jetzt genervt, weil sie voll am zicken ist, obwohl er doch nichts gemacht hat)

B: „Wenn du ein Bier willst, beweg deinen faulen Arsch doch selbst zum Kühlschrank!“ (Jetzt wird sie schon deutlicher, aber bereits auf eine Art die kein friedliches Gespräch mehr zulässt. Hier geht es jetzt darum, Dampf abzulassen)

A: „Ach leck mich doch!“ (Holt sich wütend ein Bier und schaut böse. Machtkampf, kannst du haben. Ich bin hier der Boss!)

B: „Weißt du was? Du gehst mir gehörig auf den Sack. Ich geh zu meiner Freundin!“ (So, kein Sex für zwei Wochen. Du kommst schon wieder angekrochen. Wollen doch mal sehen wer hier der Boss ist!)

A: „Voll gut, dann hört das Gezicke auf und ich hab meine Ruhe.“ (Wenn du glaubst, dass ich jetzt angekrochen komme, hast du dich aber geschnitten. Vergiss es!)

B: „Ach leck mich doch. (Verlässt wütend das Haus)“ (3 Wochen und meine Mutter lad ich am Sonntag zum Kaffee trinken ein)

Ursache?

Was ist hier denn passiert? Er wollte doch nur ein Bier und hat jetzt voll das mega Theater? Tja, leider gibt es bei Gesprächen noch eine zweite Ebene und die wirkt unsichtbar aber dafür mit richtig krassen Auswirkungen.

Wir sind müde, fühlen uns nicht wertgeschätzt, ungerecht behandelt oder da ist noch Ärger aus einer anderen Situation? Dann sprechen wir mit Unterton, reagieren unverhältnismäßig heftig oder gemein und lassen das alles in das Gespräch mit hineinfließen. Für uns ist das dann klar, aber unser Gegenüber versteht die Welt nicht mehr.

Jetzt wäre es natürlich super, wenn jeder oder jede einfach mal vorher klar macht, was los ist. Dann könnte man sich eine Menge Ärger sparen. „Ich möchte dir jetzt kein Bier bringen. Ich bin sauer, weil du den Müll nicht wie versprochen runtergebracht hast. Wenn du das erledigst und mir beim Abendessen hilfst, beruhige ich mich wieder.“ Aber so ticken wir Menschen leider nicht. Uns muss man alles aus der Nase ziehen.

Der Schlüssel?

Beobachten!

Wie, das war es jetzt?

Ha, das ist leichter gesagt als getan. Versuch mal bei den nächsten Gesprächen ganz bewusst auf dein Gegenüber zu achten. Was für einen Ausdruck kannst du wahrnehmen? Wie ist die Körperhaltung? Was sagt er oder sie? Lässt sich da etwas anderes noch darunter erkennen? Kann ich das zurückmelden? „Du, kann es sein das du sauer bist? Ich weiß nur leider nicht warum. Kannst du mir einen Tipp geben, damit ich es besser machen kann? Mir ist es nämlich wichtig, dass wir uns gut verstehen.“

Allzu oft sind wir nämlich nicht aufmerksam bei unserem Gegenüber. Vielmehr sind wir im Kopf schon mit der Antwort beschäftigt oder damit, unser Thema schnellstmöglich rauszuhauen, sobald er oder sie mit seinem langweiligen Kram endlich fertig ist. Mit einem guten Gespräch hat das nichts zu tun. Das ist eher ein Battle. Nämlich darum, wer jetzt seinen Beitrag und sein Thema als besonders wichtig platziert bekommt. Wer jetzt Aufmerksamkeit erhält. Und Feedback! Möglichst das Feedback, dass man sich wünscht. Quasi wie bei Social Media… also Social, nur ohne Media. Hilfreich ist das für keinen von uns, da die Qualität des Gesprächs vollständig auf der Strecke bleibt.

Ein richtig gutes Gespräch mit Aufmerksamkeit und Rücksicht würde beide Seiten weiter bringen. Dafür müssen beide aber erst einmal richtig zuhören. Sich Zeit nehmen und in diesem Moment ganz beieinander und füreinander sein. Zurückmelden, was man verstanden hat, damit man weiß, ob das was man sagen wollte, auch so angekommen ist.

Beispiel:

A: „Und denkt der doch tatsächlich, ich bringe ihm sein Bier an die Couch.“

B: „Und das hat dich wütend gemacht?“

A: „Ja genau. Ich hatte ihn gebeten, den Müll runterzubringen. Aber das hat er mal wieder nicht auf die Reihe bekommen.“

B: „Und das nervt dich, dass er alles vergisst und du ihn erinnern musst?“

A: „Ja, voll. Ich bin doch nicht seine Mutter. Das muss er doch verstehen.“

B: „Vielleicht kannst du ihm das ja mal so sagen. Im Moment blickt er es glaub ich noch nicht.“

A: „Ja, das mache ich. Ich glaube, bisher war ich einfach immer nur sauer und ich muss ihm wohl mal in Ruhe erklären, was mich eigentlich nervt. Ich dachte er checkt das von alleine. Danke fürs Zuhören. Das hat mir voll geholfen.“

Und ganz wichtig! Wir müssen nicht immer Ratschläge erteilen und mit Wissen glänzen. Das hat niemand von uns verlangt. Zuhören und eine kleine Rückmeldung reicht. Dann finden wir meistens selbst im guten Gespräch die Lösung. Einfach nur, weil wir es jemand anderen mal erzählen können, der uns ohne Urteil und vorgefertigte Meinung aufmerksam zuhört und wir so von ganz alleine weiterkommen. So richtig voll im Flow mit einem guten Gefühl. Das ist ein gutes Gespräch 😉

Von Tino Hauser

Kommunikationstrainer

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