Die vier Seiten einer Nachricht

…und was das mit Messengern zu tun hat.

Jede Nachricht hat bis zu vier Seiten. Wenn Sender und Empfänger die vier Seiten richtig verstehen und annehmen können, dann kommt es zu einem guten Gespräch. Dazu müssen wir unser Gegenüber aber sehen und hören können.

Wenn man das Thema Kommunikation anspricht, kommt sehr oft das Modell der vier Seiten einer Nachricht oder auch der vier Ohren von Schulz von Thun. Das gehört quasi zum Standardwissen und das zu Recht. Der Herr hat noch viel mehr gutes Zeug geschrieben und deswegen wird er uns in späteren Artikeln auch noch das ein oder andere Mal begegnen. Jetzt aber zu dem vier Seiten Modell und was das mit Messengern zu tun hat.

Wissenschaftlich betrachtet funktioniert ein Gespräch so, dass derjenige, der etwas sagen will, seine Botschaft in eine Nachricht packt und die an den Empfänger schickt. Wie bei einem Messenger. Und wie bei einem Messenger kann man jetzt lesen was da steht, da antwortet man dann drauf und fertig.

Jetzt weißt du aber selbst, dass es genau so meistens nicht läuft. Jemand schreibt mir etwas und ich kann das auf verschiedene Art verstehen, man spricht hier vom interpretieren. Was also schon in einem normalen Gespräch ein Kunststück ist, wird bei einem Messenger jetzt doppelt so kompliziert. Denn bei einem normalen Gespräch kann ich mein Gegenüber sehen und checken wie er das jetzt meint, was er da sagt. Ich höre seine Stimme und das hilft mir, seine Botschaft einzuordnen. Klingt er wütend oder traurig? Wie ist sein Blick? Wie ist die Körperhaltung? Bei einem Messenger muss ich all diese Dinge erraten und das führt dann häufig zu Fehlern, sogenannten Fehlinterpretationen.

Wenn ich also schreibe „Ich will mich heute Abend mit meinen Freunden treffen.“ Und er schreibt „Ist ok.“ dann weiß ich nicht wirklich, ob es ok ist, weil mir die ganzen anderen Infos fehlen. Ich muss dann also raten, wie er es meint und das ist dann ein Glücksspiel. Ihr kennt das bestimmt. Ihr schreibt dann zurück „Ist das wirklich ok?“ und dann kommt „ja, mach nur“ und dann ratet ihr mal ins Blaue rein, dass da was nicht stimmt, ruft an und es stellt sich heraus, dass er eigentlich etwas mit dir gemeinsam vorhatte. Da muss man erstmal draufkommen.

Genau aus diesem Grund rate ich immer dringend davon ab, Diskussionen per Messenger zu führen. Das kostet wahnsinnig viel Zeit bis überhaupt mal klar ist, worum es allen geht und dann ist das Gespräch meistens schon schief gegangen und irgendjemand sauer. Ganz schlimm, wenn man so etwas in Gruppen macht. Da habe ich schon schlimme Missverständnisse und Ärger erlebt, die man sich mit einem kurzen Anruf hätte sparen können.

Damit dir so etwas nicht passiert, möchte ich dir hier zeigen was das Ganze jetzt mit diesem Schulz Typen zu tun hat.

Der gute Mann hat sich das nämlich mal genauer angesehen und dann festgestellt, dass jede Nachricht, die wir schicken fast immer bis zu vier verschiedenen Seiten hat.

„Hey, lass uns heute Abend chillen.“

In jeder Nachricht gibt es eine Seite die wirklich nur die Nachricht beinhaltet. Hier heißt sie dann also, lass uns heute Abend chillen und somit geht es also nur um die Sache. Deswegen nennt man das Sachbotschaft.

Jetzt kann da aber auch noch eine Beziehungsbotschaft mit drinstecken. Bei unserem Beispiel könnte das dann sein „Du bist mir so wichtig, dass ich mit dir Zeit verbringen will.“

Gerne verpacken wir in so eine Nachricht auch noch einen sogenannten Apell, also eine versteckte Aufforderung. In dem Fall wäre das dann „Verbring Zeit mit mir.“

Und dann gibt es da noch die Seite der Nachricht, in der wir etwas von uns selbst preisgeben, die sogenannte Selbstoffenbarung. Das könnte in dem Beispiel dann sein „Ich fühle mich einsam und brauche deine Gesellschaft.“

Klar soweit?

Vielleicht nochmal ein negatives Beispiel…

Ihr antwortet auf das Lass chillen mit einer Absage, weil ihr etwas mit euren Freunden machen wollt und es kommt:

„Hey, schon ok, wenn du was mit deinen Freunden machen willst.“

Sachbotschaft: „Ist ok, mach du ruhig“

Beziehungsbotschaft: „Aha, deine Freunde sind dir also wichtiger als ich.“

Apell: „Erkenne gefälligst das ich dich brauche und sag ihnen ab.“

Selbstoffenbarung: „Ich bin einsam und brauche dich.“

Das ist jetzt in einem normalen Gespräch schon ein Kunststück, die vier Seiten richtig zu erkennen und zu verstehen. Im Chat kannst du das vergessen. Keine Chance. Denn dazu müssen wir mindestens das Gesicht sehen und die Stimme hören, um die Message richtig zu verstehen. Und das ist vielleicht auch ein Grund, warum wir lieber Facetimen und Sprachnachrichten verschicken. Nicht nur weil es einfacher ist, sondern auch weil wir unbewusst gecheckt haben, dass wir besser verstanden werden, wenn unser Gegenüber mehr von uns bekommt, als einfach nur einen Text und es echt aufwändig ist, eine Botschaft so zu schreiben, dass man auch wirklich versteht, worum es uns gerade geht.

Warum man also von den vier Seiten einer Nachricht spricht, ist jetzt klar, oder? Und genauso wie ich beim Verpacken der Nachricht vier Botschaften schicken kann, hat mein Gegenüber jetzt auch noch vier Ohren, mit denen er die Botschaft verstehen kann.

Wenn du also noch mal an unser Beispiel denkst. Hier kann also der Empfänger sich jetzt quasi aussuchen, mit welchem Ohr er deine Nachricht versteht. Hört er sie auf dem reinen Nachrichten Ohr, also dem Sach-Ohr, oder auf dem Beziehungsohr oder dem Apell Ohr oder hört er auf deine Selbstoffenbarung und reagiert darauf?

Du hättest vielleicht gerne gehabt, dass er den Apell raus hört „Komm zu mir zum Chillen!“ und er hört jetzt aber nur die Sache, weil ihm das besser passt und denkt sich, hey cool, du hast kein Problem damit, wenn ich heute Abend zu meinen Freunden gehe. Ergebnis: Du sitzt traurig und allein zu Hause und er amüsiert sich mit seinen Freunden. Wenn ihr Euch das nächste Mal trefft, wird dann dieses Missverständnis zwischen euch stehen und muss dann erst einmal geklärt werden.

Was kann man hier jetzt besser machen?

Zuerst mach dir bewusst, dass das was du eigentlich möchtest dir klar ist, aber deinem Gegenüber oftmals nicht. Wir gehen sehr oft davon aus, dass Dinge doch klar sein müssten und legen dann feine Formulierungen und Zwischentöne in unsere Nachrichten, die für uns die Größe von Autobahnschildern haben aber eben nur für uns. Mut zur Offenheit. Sag, was dir wichtig ist und sag es so, dass es nicht wie ein Befehl kommt. Verbinde die Selbstoffenbarung mit dem Wunsch, also dem Apell und sag es offen und nett. Wie geht es dir, was ist dir gerade wichtig und um was möchtest du bitten. Normalerweise verstecken wir diese Botschaften zwischen den Zeilen und erwarten, dass unser Gegenüber die entdeckt und richtig versteht. Und eben diese Erwartung macht es so schwer, denn wenn sie nicht erfüllt wird reagieren wir dementsprechend und das führt dann zu Konflikten. Das ist nicht wirklich fair.

Versuch also einfach mal in den nächsten zwei Wochen darauf zu achten, was du gewohnheitsmäßig sagen willst und welche Message dir tatsächlich wichtig ist. Was willst du auf der Apell Seite sagen, was auf der Beziehungsseite und was willst du von dir selber preisgeben? Und was sagst du tatsächlich? Achte auch einmal bei deinen Gesprächspartnern darauf. Kannst du die anderen Seiten heraushören? Am Ton, an der Formulierung oder erkennt man am Gesichtsausdruck, dass da eigentlich noch eine andere Botschaft rausmöchte? Mach dir Notizen. Was kannst du bei dir selbst und bei anderen erkennen. Was fällt dir auf? Was würdest du besser machen?

Eine Nachricht kann also bis zu vier verschiedene Seiten haben. Die Kunst liegt darin, einerseits selbst die Seiten, die einem wichtig sind, auch anzusprechen, anstatt sie zwischen den Zeilen zu verstecken und andererseits darin, die eigenen Ohren zu trainieren. Dann hört man die Seiten bei den Gesprächspartnern heraus und kann dann darauf reagieren.

„Ich wollte etwas mit meinen Freunden machen, aber wenn ich das richtig heraushöre, dann hättest du gerne, dass ich den Abend mit dir verbringe? Das mache ich natürlich gern, weil du mir wichtig bist und ich möchte nicht das du einsam zu Hause sitzt. Mit meinen Freunden kann ich auch morgen noch Spaß haben. Also, soll ich uns eine Pizza bestellen und wir schauen zusammen einen Film?“

100 Punkte 😊

Von Tino Hauser

Kommunikationstrainer

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