Schlüsselwörter im Gespräch

Schlüsselwörter im Gespräch

Heute möchte ich Dir einen weiteren Schlüssel geben. Dabei geht es um Wörter und Formulierungen, also Schlüsselwörter in Gesprächen, die automatisch bestimmte Reaktionen hervorrufen und dann den weiteren Verlauf des Gesprächs bestimmen. Wir benutzen diese Wörter und Formulierungen automatisch und wundern uns dann, wenn ein Gespräch aus irgendeinem Grund nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben.

Los geht’s…

Den Anfang machen wir mit dem Klassiker:

„Ich“ statt „Du“

Dieses kleine Wort „Du“ hat eine richtig krasse Wirkung, denn es kommt dem ausgestreckten Zeigefinger gleich. Eines der Schlüsselwörter im Gespräch. Und genauso wie der Zeigefinger in uns das Gefühl auslöst, wir werden angegriffen so hat auch das „Du“ den Effekt, dass mein Gegenüber denkt „Jetzt muss ich mich verteidigen.“ Alles was ich also mit einem „Du“ formuliere trifft direkt das Herz des Anderen. Im positiven Sinn mache ich so Komplimente: „Du bist ein wundervoller Mensch.“ Aber mal ehrlich? Wie oft nutzen wir das Du in dieser Form?

„Weil du zu spät gekommen bist, müssen wir jetzt anstehen.“

„Du bist doch auch nicht besser.“

„Du kannst das nicht.“

„Du hast doch keine Ahnung.“

Und so weiter und so fort. Hinter dem so genutzten Du steht immer ein „Du bist nicht ok!“ Und das verletzt uns. Was machen Menschen, wenn Sie sich verletzt fühlen? Genau, verteidigen, angreifen oder weglaufen. In einem Gespräch sind das eher doofe Reaktionen.

Und jetzt?

Versuch es mit dem Zauberwort „Ich“ oder „Wir“. Das erfordert etwas Training, aber genau deswegen bist Du ja hier.

 „Wir sind zu spät gekommen, deswegen müssen wir jetzt leider anstehen.“

 „Ich bin auch nicht besser.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob das so funktioniert.“

 „Wir können das ja nochmal nachlesen.“

Das erfordert etwas Übung und auch ein wenig Nachgeben. Deshalb heißt es ja auch „Der Klügere gibt nach.“ 😉

Der nächste Klassiker?

Ja, aber…

Hui, ich kann dir sagen, dass ist eine Nummer. Die begegnet mir am Tag gefühlt einhundertmal und wenn man verstanden hat, was da dahinter steckt, dann kann das manchmal eine ganz schöne Herausforderung sein. Damit ist es ebenfalls eines der Schlüsselwörter im Gespräch. Das kleine Wort „aber“ ist nämlich im Prinzip nichts anderes als ein Widerspruch. Mein Gegenüber will mit damit sagen, dass ich nicht recht habe. Und genau aus diesem Grund löst dieses kleine Wort auch gerne so viel aus. Alles was nach einem „aber“ kommt, verstehe ich dann quasi als Angriff auf meine Meinung oder mich persönlich. Somit höre ich dem anderen nicht mehr zu, sondern überlege stattdessen, wie ich mich, bzw. meine Meinung jetzt verteidigen kann. Für ein gutes Gespräch ist das nicht gerade hilfreich.

„Die Hose sieht ja nicht schlecht aus, aber willst du die wirklich anziehen?“ („Die Hose steht dir nicht, das sieht scheiße aus“)

„Das kann ja sein, aber ich habe gelesen…“ – („Das stimmt nicht, ich kenn die Wahrheit!“)

„Ja, du hast ja recht, aber beim letzten Mal war das auch schon so…“

(„Nein du hast nicht recht!“)

usw.

Mit dem kleinen Wörtchen „aber“ wollen wir dem anderen etwas mitteilen, was wir uns nicht trauen, direkt zu sagen. Wir kennen den Trick aber alle unbewusst und reagieren dann entsprechend.

Was tun?

Möglichst auf das „aber„ verzichten oder es durch ein „und“ ersetzten.

???

„Die Hose sieht nicht schlecht aus. Und du bist dir sicher, dass die dir steht?“

„Das kann ja gut sein und ich habe gelesen, dass… „

„Ja, du hast recht. Und beim letzten Mal war das auch schon?“

Wenn ich das „aber“ durch ein „und“ ersetzte, verwandele ich die Feststellung in eine Frage. Der andere fühlt sich nicht angegriffen, sondern hat die Gelegenheit nochmal nachzudenken. Ich beharre also nicht auf meiner Meinung und versuche die mit einem „Ja, aber“ durchzudrücken, sondern ich gebe dem anderen Raum und im Zweifel gebe ich nach. Denn? Genau! Der Klügere gibt nach und hat deswegen langfristig mehr Erfolg 😉

Auf dem Profilevel schafft man es dann sogar, die Wahrheit einfach direkt zu sagen, ohne dass der andere sich angegriffen fühlt. Aber das braucht dann so richtig viel Training.

So, bevor das hier jetzt ausartet, nehmen wir nur noch kurz einen lustigen Klassiker:

Eigentlich

„Eigentlich würde ich ja gerne mehr Sport machen, aber mein Terminplan ist immer so voll.“

„Eigentlich wollte ich ja lernen, aber dann hat mich die Katze ständig abgelenkt.“

„Eigentlich wollte ich den Müll ja runterbringen, aber dann hat mir der Arm so weh getan.“

„Eigentlich“ heißt „eigentlich nicht“. Und in Kombination mit dem „aber“ versuche ich dann noch eine Begründung für mein „Eigentlich nicht“ zu liefern. Damit ist es eines der lustigsten Schlüsselwörter im Gespräch. Denn mein Gegenüber sagt mir damit unbewusst oftmals, was es in Wahrheit nicht möchte.

Mein Gegenüber blickt das in der Regel auch ziemlich schnell und deswegen kann man auf das Wort zu einem Großteil verzichten und stattdessen einfach die Wahrheit sagen. Das erfordert etwas Mut aber es lohnt sich. Denn mit dieser Ehrlichkeit kann mein Gegenüber viel besser umgehen als mit diesem ausweichendem „Eigentlich“

Nochmal kurz zusammengefasst:

Versuche in den nächsten zwei Wochen mal das Wörtchen „Du“ durch „Ich“ oder „Wir“ zu ersetzen und schau was passiert. Oder besser gesagt, was nicht passiert. Es wird nicht anstrengend und emotional, sondern bleibt dank Beachtung der Schlüssel entspannt im Gespräch.

Verzichte auf „Ja, aber…“ und versuche das anders zu formulieren, indem du stattdessen das Wort „und“ benutzt. Das ist am Anfang nicht leicht, aber wie bei jedem Training wird es mit regelmäßiger Übung besser. Oder versuch einfach gleich möglichst nett die Wahrheit zu sagen. Das erfordert Feingefühl und Übung, wird dich langfristig aber sehr viel weiter bringen.

Wenn du etwas nicht willst oder gerade keinen Bock darauf hast, dann versteck dich nicht hinter einem „eigentlich“ sondern sag es einfach direkt. Damit kann man viel besser damit umgehen, als wenn man dich erst wegen dem „eigentlich“ in die Mangel nehmen muss, indem man dir deine wahren Wünsche und Bedürfnisse aus der Nase zieht 😉

So, dass war es jetzt aber wirklich. Und jetzt viel Spaß beim Ausprobieren mit den Schlüsselwörtern im Gespräch.

Von Tino Hauser

Kommunikationstrainer

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